Frei.Wild und Die Freiheitlichen

Am 27. September 2008 sollte Frei.Wild bei einem Konzert der „Freiheitlichen Jugend“ auftreten. Dies ist die Jugendorganisation der Freiheitlichen Partei Südtirols, die als Ableger der FPÖ gegründet wurde und wie diese ein nationalistisches und rassistisches Programm vertritt („Einheimische zuerst“). Zum damaligen Zeitpunkt befand sich die Partei im Wahlkampf, das Konzert diente also einem klaren parteipolitischen Ziel. Im Sommer davor – am 13. Juli – war Philipp Burger in den Bezirksvorstand (Eisacktal) der Partei gewählt worden (siehe Bilder links: Burger bei der Wahl, Pressemitteilung).
Burger wird Bezirksvorstand
Nach Bekanntwerden dieser Veranstaltung, der parteipolitischen Aktivitäten Burgers und der Ausrichtung der Partei waren die Reaktionen vor allem der Fans aus Deutschland unerwartet heftig; solche politischen Ansichten waren dort nur von NPD und Konsorten bekannt. Klar, dass sich nach dem Proteststurm, der sich vor allem über Fanforen verbreitete, das OI!-Punk-Label „Bandworm Records“ von der Band lossagte. Das Forum der Frei.Wild-Homepage musste vorübergehend geschlossen werden: „Achtung! Forum und Gästebuch wegen permanenten Attacken von Leuten, die definitiv KEINE Frei.Wild Fans sind und waren, vorrübergehend geschlossen… bitte verzeiht uns diese Maßnahme, aber es gibt derzeit einfach zu viele, die uns ans Bein pissen wollen!“, hieß es auf der Homepage an die Fans.
Am 25. September wurde das Konzert schließlich offiziell abgesagt. Die Parteisprecherin erklärte, „dass das für kommenden Samstag geplante Frei.Wild-Konzert in Algund nicht stattfinden wird. Die Band hat es sich kurzfristig anders überlegt und uns 6 Tage vor Konzertbeginn mitgeteilt, dass sie für keine Partei auftreten darf, obwohl uns das Management den Termin bereits vor Wochen als definitiv bestätigt hatte.“ (Quelle: die-freiheitlichen.com)
Die Band war um Schadensbegrenzung bemüht und distanzierte sich am 27. September in einer Stellungnahme „von jeder extremistischen Gesinnung“:

Wir die Band Frei.Wild sind eine unpolitische und schon gar nicht extremistische Band, dies kann in allen unseren Texten, Wikipedia usw. substantiiert nachvollzogen werden. Wir distanzieren uns ohne wenn und aber von jeder extremistischen Gesinnung. Hauptauslöser der Diskussionen war die vergangene und kurze Mitgliedschaft unseres Sängers in einer bürgerlichen liberal-konservativen Partei in Südtirol/Italien, namentlich die „Die Freiheitlichen-Südtirol“. Diese Partei sieht sich primär als Vertreter der deutsch- und ladinischsprachigen Minderheit Italiens. Grundlage hierfür ist der geltente Autonomiestatus dieser ethnischen Minderheit in Gesamtitalien. Quelle: www.frei-wild.net (offline), der gesamte Text als pdf

Auch die Partei sah sich zu einer öffentlichen Erklärung genötigt: „Die Verquickung Burgers als Bandleader von Frei.Wild und als Mitglied der freiheitlichen Bezirksgruppe Eisacktal hat für Verunsicherung gesorgt. Wir lassen es nicht zu, dass im Namen der Freiheitlichen Spannungen und sinnlose Polemiken erzeugt werden. Somit ist für uns Freiheitliche diese Angelegenheit beendet.“ (Quelle: die-freiheitlichen.com/)

Die Trennung von der Partei war jedoch rein taktischer Natur: Inhaltlich sieht Burger keine Differenzen, er hält es nur für „zwiespältig“, in einer Partei zu sein und sich gleichzeitig als unpolitisch zu präsentieren:

Was die Mitgliedschaft bei den Freiheitlichen betrifft: Ich bin aus der Partei wieder ausgetreten und habe auch das Amt niedergelegt, aber nicht etwa deswegen, weil ich Schuldgefühle habe oder mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden wäre, soviel ist sicher, sondern weil ich, vor allem nach der Aussprache mit der Crew, eingesehen habe, dass es etwas zwiespältig ist, Parteimitglied zu sein und gleichzeitig Distanz vor der gesamten Politik zu nehmen, da gebe ich euch recht und habe meine Konsequenzen gezogen. Quelle: frei-wild.net (offline), der gesamte Text als pdf

Burger bei einer Parteiversammlung
Burger bei einer Parteiversammlung

Burger wird Bezirksvorstand
Burger wird Bezirksvorstand

„Freiheitliche Rocknacht“
Freiheitliche Rocknacht

Polemik in der Regionalpresse Quelle: sitileaks.blogspot.co.at
Polemik in der Regionalpresse